Kia ora!
Ja, wie’s ausschaut haben wir in den letzten Tagen einige Etappen durch Neuseeland hinter uns gebracht. Jede der Strecken war ein Erlebnis für sich und alles was wir gesehen haben lässt sich hier gar nicht erwähnen. Ihr werdet stundenlangen Fotovorträgen von uns nach der Reise wohl doch nicht auskommen 😉
Am Weg von Taupo nach Wellington sind wir durch Neuseelands einzige Wüste gefahren. Zwar ist es keine Wüste ieS sondern eher semiarides Grasland, da aber die Neuseeländer den Anspruch erheben die ganze Welt oder zumindest deren große Landschaftsformen würden sich auf den Inseln wiederfinden, heißt das Gebiet „Rangipo Desert“. Die Gegend ist von Vulkanen geprägt, wovon einer einigen bekannt vorkommen dürfte, aber nicht unter seinem eigentlichen Namen Mt. Ngauruhoe.

Na, erkennt jemand den Berg wieder?
Obwohl wir in Auckland schon eine Art Nationalmuseum besucht hatten widmeten wir uns auch in Wellington dem eigentlichen Nationalmuseum „Te Papa“, da es von allen Seiten empfohlen wurde und man muss sagen, Museen gestalten können’s, die Neuseeländer.
Irgendwo in Asien haben wir zufällig auf Discovery Channel eine Doku über den Fang, die Untersuchung und die Konservierung eines Koloss-Kalmars (noch größer als der Riesenkalmar) gesehen und genau dieses Tier war im Te Papa ausgestellt.

Lust auf Riesenkalamari?
Die Cook Straße überquerten wir mit einer Interislander-Fähre, die uns über die Meerenge und dann durch einen langen Fjord bis nach Picton brachte. Von dort fuhren wir dann wieder mit dem Bus nach Nelson weiter.

Stürmisches Inselspringen
Die Fähre brachte uns zu jenem Punkt der Reise, an dem wir die größte Entfernung von zu Hause erreichten. Wir waren ca. 18240km von Graz entfernt, aber doch noch 1754km vom Punkt exakt unter meinem Schreibtisch in der Grabenstraße, also dem auf der Erde entferntesten Punkt, weg. Es gibt also auch für Nichtastronauten auf nachfolgenden Expeditionen noch Spielraum die 18240km Heimatentfernung zu überbieten.

Weit weit weg
Nelson, der Ort mit der höchsten durchschnittlichen Sonnenscheindauer Neuseelands, ist ein beschaulicher kleiner Ort, der unter anderem auf einem Hügel ein Monument zur Kennzeichnung des Mittelpunkts Neuseelands beherbergt. Wikipedia verriet uns allerdings, dass es sich dabei gar nicht um das wirkliche Zentrum handelt, da dieses 32km entfernt in dichtem Buschwerk liegt. Die Ausrede der Nelsonianer dazu lautete, dass es sich bei dem markierten Punkt um jenen Ort handelte, von dem aus früher Neuseeland vermessen wurde. Auch diese Theorie konnten wir widerlegen, als wir die Plakette die zu dieser Vermessung diente vor der örtlichen, übrigens schönen und im Art Deco Stil erbauten, Kathedrale entdeckten. Da aber das Monument als „Zentrum des Landes“ auf dem Hügel viel besser wirkt und man eine herrliche Aussicht über Nelson, das Meer und den Abel Tasman National Park hat sahen wir darüber hinweg ohne die Ungereimtheiten in der neuseeländischen Geschichte weiter zu hinterfragen.

Ines im "Zentrum"
Am Weg von Nelson nach Greymouth, der uns hauptsächlich entlang der Küste der tobenden Tasman See Richtung Süden führte kamen wir unter anderem an einer Robbenkolonie und den Pancake Rocks von Punakaiki vorbei

Pancake Rocks
Da Greymouth, abgesehen von unserem Hotel namens „Neptunes“, das einschließlich des Stofffisches auf unserem Bett und dem Tintenfischwecker daneben komplett im Aquariumstil eingerichtet war, wirkt wie eine verlassene Cowboy Siedlung im Wilden Westen und auch dementsprechend viele Unterhaltungsmöglichkeiten bietet, brachen wir schon am nächsten Tag wieder auf. Eine Zwischenstation am Weg zum Bergdorf Franz Josef und dem dazugehörigen Gletscher war das Goldgräberörtchen Ross, wo wir uns im Goldschürfen versuchten. Nachdem wir auf die aktuellen Schürftechniken eingeschult wurden machten wir uns selbst ans Werk und fanden auch tatsächlich Gold und Jade, die bestimmt nicht vorher mit Absicht in die uns zugeteilten Steinhäufen gemischt wurden.

Die Steine fallen in den roten Trog, das Gold bleibt im schwoazen Tegerl. (Paralellen zur Grazer Fußballlandschaft sind unbeabsichtigt, können aber nicht ausgeschlossen werden) ...außerdem steht den Steinen das Wasser weit über den Hals und das Tegerl ist weit über dem Trog platziert. Ha, ein Bild sagt mehr als tausend Worte! 🙂
Welches Quartier wir in Franz Josef nehmen würden, war schon am Anfang unserer Neuseelandrunde beschlossene Sache. Bei der Möglichkeit eine Unterkunft mit dem unwiderstehlichen Namen „Chateau Franz“ zu bekommen muss man einfach zuschlagen. Es war zwar kein normales Zimmer mehr frei, dafür aber ein mit Holzbrettern verkleideter und ausgeräumter Wohnwagen, der ein Schild mit der Aufschrift „Love Shack“ trug. Da er innen mit rotem Satin verkleidet war und die Decke über dem Bett geschmackvoll durch einen großen Spiegel verschönert wurde machte er diesem Namen alle Ehre.

Unser Love Schack im Chateau Franz mitsamt Hollywoodschaukel
Der nach unserem Ex-Kaiser benannte Franz Josef Gletscher reicht von den luftigen Höhen der Southern Alps bis hinunter auf ca. 200m Seehöhe und damit in den Regenwald. Dabei handelt es sich aber um keinen tropischen Regenwald, bei über 4500mm Niederschlag pro Jahr (vgl. Graz mit ca. 840mm) kombiniert mit Bäumen muss das Ergebnis aber wohl Regenwald heißen. Und schließlich gibt es ja auch einige Palmen im Bereich des Gletschervorfelds.

Franz-Josef-Glacier
Ausgerüstet mit Überziehhosen, Regenjacken und Spikes für die Schuhe machten wir uns auf den Weg Richtung Gletschertor und dann den Gletscher hinauf. Soweit es möglich war wanderten wir den Gletscher durch das tiefblaue Gletschereis hinauf. Der Weg ist eigentlich ganz gut ausgebaut, teilweise sogar mit in das Eis geschlagenen Stufen. Vielmehr als „traumhaft“ und „beeindruckend“ kann man dazu eigentlich eh nicht sagen (außer dass wir es auch wieder hinuntergeschafft haben, ohne in eine Gletscherspalte zu fallen ;-))Das Gletscherwasser, mit dem wir unsere Wasserflaschen wiederbefüllten, war das beste Wasser, das wir seit Graz getrunken haben. Das Leitungswasser im Rest Neuseelands schmeckt so, wie das italienische Leitungswasser riecht. Scheinbar macht das aber unseren an asiatische Verhältnisse angepassten Mägen nichts mehr aus.

Am Gletscher
Inzwischen sind wir in Queenstown angekommen, wo wir einen Ruhetag zum Wäschewaschen, Bloggen und Ruhen einlegen und, ohne es hier zu verschreien, weiterhin auf untypisches Südinselaprilwetter und damit für uns großes Wetterglück hoffen.
Überraschenderweise gibts die Galerie diesmal gleichzeitig mit dem Artikel!
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Trotz der drohenden Asche über Euren Köpfen und den apokalyptischen Zuständen auf den Flughäfen wünschen wir Euch eine komplikationsfreie Zeit und ein schönes Wochenende!
Liebe Grüße
Ines & Martin